Die elektronische Tanzmusik (EDM) hat eine lange und faszinierende Geschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Was einst als ein Nischenphänomen begann, hat sich zu einem globalen kulturellen Phänomen entwickelt, das die Musikwelt revolutioniert hat. Von den Anfängen in den Disco-Clubs der 1970er Jahre über die Geburt des House und Techno in den 1980ern bis hin zur globalen Explosion der EDM im 21. Jahrhundert: Die Geschichte der elektronischen Tanzmusik ist eine Reise durch die Evolution von Technologie, Kultur und kreativer Innovation.
Die Wurzeln der Elektronischen Tanzmusik: Disco der 1970er Jahre
Die Geschichte der elektronischen Tanzmusik beginnt in den 1970er Jahren mit der Entstehung von Disco. Disco-Musik war ein Schmelztiegel aus Funk, Soul, Pop und lateinamerikanischen Rhythmen, die zusammen eine mitreißende, tanzbare Musikrichtung formten. Sie entstand in den urbanen Zentren der USA, insbesondere in New York, und entwickelte sich schnell zu einem Phänomen, das Clubs auf der ganzen Welt eroberte.
Die Produktion von Disco-Musik war oft sehr aufwendig, mit reichhaltigen Arrangements, die Streichern, Bläsern und einer Vielzahl von Percussion-Instrumenten Platz boten. Jedoch begann in dieser Ära auch der Einsatz elektronischer Instrumente und Synthesizer, die den Grundstein für die spätere Entwicklung der elektronischen Musik legten. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Donna Summers Hit „I Feel Love“ (1977), produziert von Giorgio Moroder. Dieser Song war bahnbrechend, weil er stark auf elektronische Sounds und Synthesizer setzte, was ihm einen futuristischen Klang verlieh, der sich von der damaligen Musik abhob und als Vorläufer moderner elektronischer Musik gilt.
Die 1980er: Die Geburt von House und Techno
Mit dem Ende der Disco-Ära Anfang der 1980er Jahre begann eine neue Ära für die elektronische Tanzmusik. Zwei der wichtigsten Entwicklungen in dieser Zeit waren die Entstehung von House und Techno, zwei Genres, die die Grundlagen für viele der elektronischen Musikstile bildeten, die später folgten.
House-Musik entstand Mitte der 1980er Jahre in Chicago. Sie entwickelte sich aus der Disco-Musik, indem sie den Fokus auf repetitive, hypnotische Rhythmen und tiefe Basslines legte, die von Drum Machines wie der Roland TR-808 und Synthesizern wie dem Roland TB-303 erzeugt wurden. Frankie Knuckles, oft als „Godfather of House“ bezeichnet, war eine Schlüsselfigur dieser Bewegung. Seine Sets im Warehouse-Club in Chicago halfen, House-Musik zu definieren und zu popularisieren. Tracks wie „Your Love“ und „Baby Wants to Ride“ wurden zu Klassikern des Genres.
Gleichzeitig entwickelte sich in Detroit die Techno-Musik, angeführt von Künstlern wie Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson, auch bekannt als die „Belleville Three“. Techno war durch seine industrielle Ästhetik, minimalistische Strukturen und maschinenähnlichen Rhythmen gekennzeichnet. Es war von der Technologie und der industriellen Landschaft Detroits inspiriert und wurde schnell zu einem wichtigen Genre in der elektronischen Musikszene. Tracks wie „Clear“ von Cybotron und „Strings of Life“ von Rhythim Is Rhythim sind ikonische Beispiele für den Techno-Sound dieser Zeit.
Die 1990er: Globalisierung und Diversifikation
In den 1990er Jahren begann sich die elektronische Tanzmusik weltweit zu verbreiten und diversifizierte sich in eine Vielzahl von Subgenres. Der technologische Fortschritt, insbesondere in der Musikproduktion und im DJing, spielte dabei eine zentrale Rolle. Die Einführung von Sampling-Technologie und Sequencern ermöglichte es Produzenten, komplexere Tracks mit minimalem Equipment zu erstellen.
Rave-Kultur und Acid House: Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre entstand in Großbritannien die Rave-Kultur, die eng mit dem Acid-House-Genre verbunden war. Acid House, charakterisiert durch den intensiven Einsatz des TB-303-Synthesizers, brachte eine neue, psychedelische Dimension in die elektronische Musik. Tracks wie „Acid Tracks“ von Phuture und „Voodoo Ray“ von A Guy Called Gerald wurden zu Hymnen dieser Bewegung. Die Rave-Kultur breitete sich rasch aus und führte zu großen, oft illegalen Partys, die in verlassenen Lagerhallen und im Freien stattfanden.
Trance und Eurodance: Währenddessen entwickelte sich in Deutschland und den Niederlanden das Trance-Genre, das sich durch melodische, emotionale und oft epische Klanglandschaften auszeichnete. Künstler wie Paul van Dyk, Tiësto und Armin van Buuren wurden zu Pionieren des Trance. In Europa entstand auch Eurodance, eine kommerziellere und poppigere Form der elektronischen Musik, die Elemente von House und Techno mit eingängigen Pop-Melodien verband. Hits wie „Rhythm is a Dancer“ von Snap! und „What is Love“ von Haddaway wurden weltweit populär.
Drum and Bass und Jungle: In Großbritannien entwickelte sich in den frühen 1990er Jahren auch das Drum and Bass-Genre, eine schnellere, breakbeat-basierte Form der elektronischen Musik. Jungle, als Vorläufer des Drum and Bass, war durch seinen starken Einsatz von Breakbeats, tiefen Basslines und Ragga-Vocals geprägt. Künstler wie Goldie und Roni Size trugen dazu bei, dass Drum and Bass zu einem der dominierenden Genres der britischen Clubszene wurde.
Die 2000er: Das Aufkommen von EDM und die globale Explosion
Im neuen Jahrtausend erlebte die elektronische Tanzmusik eine massive Popularitätsexplosion, die von der digitalen Revolution und der Verbreitung des Internets angetrieben wurde. Plattformen wie MySpace, später YouTube und SoundCloud, ermöglichten es Künstlern, ihre Musik weltweit zu verbreiten und Fans auf der ganzen Welt zu erreichen.
EDM (Electronic Dance Music), wie wir es heute kennen, begann sich in den 2000er Jahren zu formen. Die EDM-Bewegung war geprägt von einem kommerzielleren Ansatz zur elektronischen Musik, der sich besonders in den USA durchsetzte. Künstler wie David Guetta, Calvin Harris und Swedish House Mafia wurden zu internationalen Superstars, die mit ihren eingängigen, massentauglichen Tracks und spektakulären Live-Shows große Arenen und Festivals füllten. Tracks wie „One (Your Name)“ von Swedish House Mafia und „Titanium“ von David Guetta sind Beispiele für den Sound, der EDM in den 2000er Jahren definierte.
Festivals und Mainstream-Akzeptanz: Die zunehmende Popularität von EDM führte zur Entstehung riesiger Musikfestivals wie Tomorrowland in Belgien, Ultra Music Festival in Miami und Electric Daisy Carnival in Las Vegas. Diese Festivals zogen Hunderttausende von Besuchern an und trugen dazu bei, dass elektronische Musik endgültig im Mainstream ankam. Die DJ-Kultur, einst in dunklen Clubs und auf Underground-Partys zuhause, wurde zu einem globalen Phänomen, das die Popkultur maßgeblich beeinflusste.
Subgenres und die Rückkehr zu den Wurzeln: Gleichzeitig entwickelte sich die elektronische Musik weiter und brachte eine Vielzahl von Subgenres hervor. Dubstep, ursprünglich in Großbritannien entstanden, wurde durch Künstler wie Skrillex weltweit populär. Die basslastige, aggressive Form des Dubstep fand vor allem in den USA großen Anklang und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der EDM-Szene.
In Europa und insbesondere in Berlin erlebte Techno eine Renaissance. Künstler wie Richie Hawtin, Carl Cox und Nina Kraviz trugen dazu bei, dass Techno seine Underground-Wurzeln behielt, während es gleichzeitig international gefeiert wurde. Berlin wurde zum Epizentrum der globalen Techno-Szene, mit Clubs wie Berghain, die weltweit als Ikonen der elektronischen Musik bekannt wurden.
Die 2010er bis heute: Digitalisierung und globale Vernetzung
Die 2010er Jahre markierten eine weitere Evolution in der Geschichte der elektronischen Tanzmusik, die stark von der Digitalisierung und der globalen Vernetzung geprägt war. Streaming-Dienste wie Spotify und Apple Music sowie Plattformen wie SoundCloud ermöglichten es, dass elektronische Musik schneller und breiter als je zuvor verbreitet werden konnte.
Future House und Trap: In den 2010er Jahren gewannen neue Subgenres wie Future House, populär gemacht durch Künstler wie Oliver Heldens und Don Diablo, und Trap, das aus den USA stammte und durch Künstler wie Diplo und RL Grime bekannt wurde, an Bedeutung. Future House kombinierte Elemente von Deep House und EDM und schuf einen frischen, tanzbaren Sound, während Trap, eine Mischung aus Hip-Hop und EDM, die Festivalbühnen mit kraftvollen Bässen und aggressiven Beats dominierte.